Beichte: Was beichtet man als Kind?

  • Ich bin ja in einem Katholischen Heim auf gewachsen. Die Heimleitungen waren immer Priester (heute nicht mehr) und die Erzieherinnen waren Nonnen. Jeden Sonntag mußte wir in die Kirche und an manchen Samstagnachmittage, gab es in unserer Heimkirche auch Andachten.

    So gehörte auch die Beichte zum Ritual. Ob es einmal im Monat- oder alle 14 Tage war, weiß ich nicht mehr so genaau, ich weiß nur, das Beichte, wenn sie angesagt war Pflicht war und wir dafür in die Kirche mußten, ob wir nun wollten oder nicht.

    Ja und wenn du dann knieend im Beichstuhl warst, den Priester nur durch ein kleines vergittertes Fenster sehen konntest (manchmal konnte man ihn auch gar nicht sehen, weil er irgendein Tuch vor dem Gesicht hielt), überlegte ich mir krampfhaft, was ich denn jetzt beichten sollte, da ja jede angebliche Sünde gleich nieder geprügelt oder in sonst einer Form bestraft wurde.

    Natürlich hatte man auch etwas Angst etwas zu beichten. Weil der Priester im Beichstuhl ja auch alles was wir dort sagen, an die Stationsschwester weiter geben könnte. Wir wußten ja nicht das er auch unter einer Schweigepfliicht stand oder steht.

    Da wir ja keine schweren Taten wie Raub, Mord oder sonstige schweren Verbrechen begangen hatten, mußte zumindest wenn ich nur von mir spreche, mir was einfallen lassen, denn ohne Absolution, wer weiß wie viel "Ave Maria" und Vater unser" war es undenkbar die Kirche zu verlassen. So erfand man eben kleine Sünden, wie z.B. jemanden verpetzt zu haben, oder die Nonne geschlagen zu haben, (was bei Abwehrbewegunggen schon mal passieren konnte), oder geklaut hat und solche Sachen. Nach der Beichte durften wir dann wieder auf Station und niemand sprach mit uns, was da gerade eigentlich im Beichtstuhl vor sich ging.

    Kennt Ihr das auch zur "Beichte" gehen

    Wie habt Ihr Euchh dabei gefühlt?

  • Ja, das Haus Neuer Kamp (http://www.hausneuerkamp.de), das Kinder-und Jugendheim, in dem ich meine Heimzeit verbrachte, gehörte und gehört auch heute noch zum Diakonischen Werk der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V. und gehört damit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V. an.

    Somit gab es hier keine Beichten im kirchlichen Sinne.

    Dennoch geht mir der Satz:" Ich habe es (ihm/ihr) gebeichtet" nicht aus dem Sinn, und zwar sowohl im Kindes- als auch bis ins Erwachsenenalter.

    Dabei handelt es sich oft um Übertretungen von Vereinbarungen bzw. Verhaltenserwartungen, denen man nicht entsprochen hat, aber trotzdem als belastend erfahren hat. Das sind dann "Geständnisse", die befreien sollen/können. Ob es eine echte Reue ist, lasse ich jetzt hier mal offen.

    "Was beichtet man als Kind" ist somit nicht nur in der Heimerziehung, insbesondere der katholischen mit all deren Ausprägungen, sondern auch gesellschaftlich ein Thema in der Erziehungs- bzw. Betreuungsarbeit auch heute noch.

    Das kann es sogar vorkommen, dass ich den Satz sagen muss: "Es ist besser, du sagst es mir nicht!"

    Evtl. wäre ich sogar verpflichtet, diese "Beichte" weiterzugeben, denn ich habe kein Aussageverweigerungsrecht, und würde mich damit strafbar machen.

    Vielleicht ein kleiner Exkurs - aber ein Fakt in der Erziehungs- und Betreuungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen - damals wie auch heute.

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